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Inspiration - Wissen - Trends

Terrazzo richtig ausschreiben: Aufbau, Oberflächen, Fugenbild, Kostenhebel

16/2/2026

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Praxisleitfaden für Architekt:innen – damit Entwurf, Kosten und Ausführung zusammenpassen.
Terrazzo ist mehr als ein „schöner Boden“. Je nach System (Ortsterrazzo vs. Terrazzo-/Werksteinplatten) entscheiden Aufbau, Körnung, Oberflächenbearbeitung und Fugenplanung darüber, ob das Ergebnis ruhig wirkt, dauerhaft funktioniert – und ob die Kosten im Griff bleiben. Dieser Beitrag zeigt, worauf es in der Ausschreibung ankommt, welche typischen Fehler in der Praxis teuer werden und welche Stellhebel Sie früh nutzen können.
Bild
Warum die Ausschreibung bei Terrazzo so entscheidend ist

Terrazzo gehört zu den Oberflächen, bei denen Gestaltung und Technik sehr eng verknüpft sind: Das gewünschte Bild (Homogenität, Glanzgrad, Körnungswirkung) hängt direkt von Schichtdicken, Zuschlägen, Schleifbild, Fugenraster und Untergrund ab. Je klarer diese Punkte definiert sind, desto weniger Interpretationsspielraum entsteht – und desto sicherer sind Termin, Budget und Qualität.

Systemwahl: Ortsterrazzo (fugenlos) oder Terrazzo-Platten?

Bevor Sie Details festlegen, lohnt sich eine Systementscheidung – denn daraus ergeben sich andere Randbedingungen bei Untergrund, Fugen, Kosten und Bauablauf.

Ortsterrazzo: Fugenloser Terrazzo maximal individuell, anspruchsvoller Prozess
Stärken: fugenarmes Erscheinungsbild (mit planbaren Bewegungsfugen), grosse Gestaltungsfreiheit bei Körnung/Farbton, sehr hochwertig im Objekt. Als Beispiel haben wir eine Musterfläche in unserer Ausstellung gestaltet.
Zu beachten: anspruchsvoller Bauablauf (Einbringen, Aushärten, Schleifen), höhere Anforderungen an Untergrund, Koordination und Ausführungszeit.
Farbauswahl fugenloser Terrazzo
Terrazzo-/Werksteinplatten: Planbarer, schneller, sauberer Ablauf
Stärken: definierte Produktqualität, gut kalkulierbar, oft kürzere Bauzeit, sehr geeignet für Sanierungen/Etappierungen. Als Beispiel dienen unsere Referenzobjekte "Neugestaltung Restaurant La Bestia Luzern" und "Residenz Am Schärme in Sarnen".
Zu beachten: Plattenformat beeinflusst Fugenbild stark; weniger „monolithisch“ als Ortsterrazzo – dafür kontrollierter.
Farbauswahl Terrazzo-Platten
Praxis-Tipp: Wenn Termin-/Bauablauf kritisch ist, sind Plattensysteme oft die risikoärmere Wahl. Wenn das Signature-Look zählt (Foyer, Treppenhaus, öffentliche Flächen), spielt Ortsterrazzo seine Stärke aus.
Budget-Angaben (Richtwerte): Die Kosten variieren je nach Systemwahl, Flächengrösse, Untergrund, Detailgrad sowie Projektorganisation. Die folgenden Angaben dienen als grobe Budget-Orientierung in einer frühen Planungsphase.

Ortsterrazzo fugenlos
  • Kleine Flächen: ca. CHF 470.– / m²
    (inkl. Material, Einbau, Aushärtung, Schleifen und sämtlichen Arbeiten)
  • Flächen ab ca. 100 m²: ca. CHF 270.– bis 350.– / m²
    (abhängig von Aufbau, Zuschlägen, Schleifgängen und logistischen Rahmenbedingungen)

Terrazzo- / Werksteinplatten (z.B. 60 × 60 × 2 cm)
  • Material: ca. CHF 58.– bis 95.– / m²
  • Verlegung inkl. Nebenarbeiten: projektspezifisch, i. d. R. kalkulierbarer und meist kostengünstiger als Ortsterrazzo
Bild
links: Ortsterrazzo fugenlos    rechts: Terrazzo-Platten
Aufbau richtig definieren: Untergrund, Schichten, Schnittstellen

Eine der häufigsten Ursachen für Reklamationen ist nicht die Oberfläche – sondern der nicht passend definierte Aufbau.

Untergrund und Ebenheit
  • Legen Sie fest, welcher Untergrund vorliegt (Neubau-Estrich, Anhydrit, Zementestrich, Beton, bestehende alte Plattenbeläge etc.).
  • Definieren Sie Ebenheit/Untergrundtoleranzen (wichtig bei grossen Flächen und ruhigen Fugenbildern).
  • Klären Sie Schnittstellen zu Türschwellen, Anschlüssen, Einbauten und Bodenaufbauten angrenzender Beläge.

Schichtdicken und Systemkomponenten
Beschreiben Sie (je nach System) klar:
  • Ausgleich/Grundierung/Haftbrücke/Kleber (Floating Buttering)
  • Terrazzo-Schicht:
    Ortsterrazzo 8 - 12mm (je nach Grösse der Zuschlagstoffe)
    Terrazzo-Platten mind. 2cm
  • Schleifbild / Oberflächenbehandlung
  • Imprägnierung/Vergütung (wo sinnvoll)

Kostenhebel: Schichtdicken, Ausgleichsmassen und Untergrundvorbereitung sind häufig die „unsichtbaren“ Kostentreiber. Je früher diese sauber geklärt sind, desto stabiler wird die Kalkulation.
Bild
Oberfläche definieren: Schleifbild, Glanzgrad, Haptik, Rutschhemmung

„Poliert“ ist nicht gleich „poliert“. Und „matt“ ist nicht automatisch rutschhemmend oder pflegeleicht.
Die Oberfläche sollte daher in der Ausschreibung präzise und messbar definiert werden.

Schleifbild und Optik
  • Feinschliff / matt: Ruhige, moderne Optik, wenig Reflexion, meist R9.
  • Poliert: Sehr hochwertig, betont die Körnung, wirkt „nass“. In der Regel keine ausreichende Rutschhemmung für öffentliche oder feuchte Bereiche.
  • Gebürstet / satiniert: Spürbare Haptik, weniger empfindlich auf Mikrospuren, je nach Ausführung
    R9–R10.

Rutschhemmung und Nutzung
Je nach Nutzung (öffentlich, Gastronomie, feuchte Zonen) ist eine geprüfte Rutschhemmung erforderlich.
Optik und Sicherheit sind gemeinsam zu bewerten.

DIN-Rutschhemmung:
  • R 9: trockene, private oder gering frequentierte Bereiche
  • R10: öffentliche Innenbereiche, Büros, Verkauf
  • R11: Gastronomie, Eingangs- und Nassbereiche

Ergänzend kann der GS-Wert (Haftreibwert) angegeben werden:
  • GS ≥ 0,30: Mindestanforderung
  • GS ≥ 0,45: empfohlen für öffentliche Nutzung
  • GS ≥ 0,60: erhöhte Sicherheit (Nasszonen)

Bezug Schweiz: Die bfu empfiehlt für öffentlich zugängliche Flächen eine ausreichende Rutschhemmung, häufig nachgewiesen über DIN-R-Klassen (mind. R10) oder entsprechende GS-Werte.
Normativer Hintergrund: DIN 51130 (R-Klassen) DIN EN 16165 (europäische Prüfverfahren)

Praxis-Tipp: Definieren Sie die Oberfläche über Musterplatten oder Musterflächen und erklären Sie diese inklusive R- bzw. GS-Wert zur verbindlichen Referenz.
Fugenbild als Design- und Technikthema

Das Fugenbild entscheidet, ob Terrazzo „aus einem Guss“ wirkt – und ob Spannungen kontrolliert abgebaut werden.

Raster und Achsen
  • Leiten Sie das Raster aus der Architektur ab (Achsbezug, Türlinien, Raumkanten).
  • Planen Sie Fugen so, dass keine „Reststreifen“ entstehen (optisch und handwerklich problematisch).
  • Bei Platten: Format so wählen, dass es mit Raumgeometrie harmoniert.

Bewegungs- und Randfugen
  • Bewegungsfugen sind kein Mangel, sondern Systembestandteil.
  • Definieren Sie Lage/Prinzip (z.B. an Bauteilfugen, Übergängen, grossen Feldern).
  • Randentkopplung (z.B. bei aufgehenden Bauteilen) sauber beschreiben.

Typischer Fehler: Fugenplanung wird zu spät gemacht – dann „entstehen“ Fugen auf der Baustelle dort, wo es gerade passt. Ergebnis: unruhiges Bild und Diskussionen.
Körnung, Farbe, Zuschläge: So wird das Terrazzo-Bild planbar

Terrazzo lebt von Zuschlägen. Damit das Ergebnis nicht „anders als erwartet“ wirkt:

Körnungsgrösse und Verteilung
  • Grössere Körnung wirkt lebendiger – braucht aber Fläche, um ruhig zu wirken.
  • Feinere Körnung wirkt homogener – kann „ruhiger“ und moderner erscheinen.

Bindemittel / Grundton
Der Grundton (Zement/Bindemittel) beeinflusst das Gesamtbild stärker als viele denken. Kleine Muster können täuschen – deshalb:
  • Muster in realistischer Beleuchtung prüfen
  • Bei grossen Flächen Musterfläche vor Ort definieren (Ortsterrazzo)
Kostenhebel: Wo Sie früh steuern können (ohne Qualität zu verlieren)
Terrazzo muss nicht „unkalkulierbar“ sein. Diese Hebel wirken stark:

1) Systemwahl & Bauablauf
Ortsterrazzo vs. Platten entscheidet über Zeit, Prozess und Risiken.

2) Untergrund klar definieren
Unklare Untergrundsituation führt zu Nachträgen. Je besser beschrieben, desto stabiler der Preis.

3) Fugenraster und Felder
Ein stimmiges Raster reduziert Zuschnitt, beschleunigt Ausführung und verbessert Optik.

4) Oberfläche passend zur Nutzung
Sehr hochglänzende Oberflächen sind nur in privaten Bereichen empfohlen (vgl. Rutschhemmung), sie sind pflegeintensiver und können bei intensiver Nutzung mehr Spuren zeigen. Ein abgestimmter Mattgrad kann langfristig wirtschaftlicher sein.

5) Muster als verbindliche Referenz
Muster reduzieren Streit und sichern Erwartungsmanagement – das spart am meisten „Projektenergie“.
Typische Fehler aus der Praxis (und wie Sie sie vermeiden)

Fehler 1: „Terrazzo“ ohne Systembeschreibung
Lösung: Ortsterrazzo oder Platten klar benennen und Aufbau definieren.

Fehler 2: Oberfläche nur mit einem Wort beschrieben
Lösung: Schleifbild/Glanzgrad über Muster festlegen und als Referenz aufnehmen.

Fehler 3: Fugen werden nicht geplant
Lösung: Fugenraster und Bewegungsfugenprinzip in der Planung verankern.

Fehler 4: Untergrund und Toleranzen fehlen
Lösung: Untergrund, Ebenheit, Schnittstellen und Vorleistungen klar ausschreiben.

Fehler 5: Nutzung wird nicht berücksichtigt
Lösung: Rutschhemmung, Pflegekonzept und Beanspruchung definieren.
Unterstützung im Planungsalltag

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